Die Seite, die kaum ein Verkäufer gern öffnet, ist zugleich die, die alles stoppen kann: der Kontozustand. Viele schauen erst hin, wenn eine E-Mail von Amazon kommt – dann ist das Problem bereits da. Der Amazon Kontozustand besteht aus wenigen Kennzahlen, jede mit einem eigenen Grenzwert und einem eigenen Messzeitraum. Wer weiß, was jede Kennzahl misst, erkennt ein Problem, solange es noch eine Warnung ist und keine Sperrung. Dieser Leitfaden geht die Kennzahlen einzeln durch: Grenzwerte, typische Ursachen und eine wöchentliche Kontrolle, die Sie mit wenig Aufwand etablieren können.

Das Problem: Kennzahlen verschlechtern sich, bevor Sie es bemerken

Der Kontozustand kippt selten an einem Tag. Er verschlechtert sich durch kleine Ereignisse: ein Versanddienstleister liefert zu spät, zwei negative Verkäuferbewertungen, ein A-bis-z-Garantieantrag, ein Listing mit einem unzulässigen Begriff. Jedes Ereignis für sich wirkt harmlos. Über 60 Tage summiert, können sie eine Kennzahl über den Grenzwert schieben.

Hinzu kommt: Die Kennzahlen haben unterschiedliche Zeiträume. Manche betrachten 7 Tage, andere 30, andere 60. Ein Fehler von heute kann Sie zwei Monate lang begleiten.

Für Verkäufer, die auf mehreren europäischen Marketplaces aktiv sind, kommt eine dritte Schwierigkeit dazu: Amazon weist den Kontozustand je Region aus, die Ursachen liegen aber oft in einzelnen Ländern – etwa ein Versanddienstleister, der nur in Frankreich verspätet zustellt. Wer nur auf den Gesamtwert schaut, sucht an der falschen Stelle.

Die Kennzahlen des Amazon Kontozustands und ihre Grenzwerte

Bestellmängelquote (ODR): unter 1 %

Die wichtigste Kennzahl für den Kundenservice. Sie misst den Anteil der Bestellungen mit mindestens einem Mangel in den letzten 60 Tagen. Es gibt drei Arten von Mängeln:

Amazon verlangt einen Wert unter 1 %. Bei 300 Bestellungen in 60 Tagen reichen drei mangelhafte Bestellungen, um die Grenze zu erreichen. Die Quote wird für selbst versandte und für FBA-Bestellungen getrennt ausgewiesen: Auch wenn Amazon den Versand übernimmt, zählen Bewertungen und Garantieanträge.

Stornierungsrate vor Versand: unter 2,5 %

Betrifft nur Bestellungen, die Sie selbst versenden. Gezählt werden Bestellungen, die Sie in den letzten 7 Tagen vor dem Versand storniert haben – meist wegen eines nicht aktuellen Bestands. Grenzwert: 2,5 %. Die häufigste Ursache ist banal: Die verfügbare Menge bei Amazon stimmt nicht mit dem tatsächlichen Lagerbestand überein.

Rate verspäteter Lieferungen: unter 4 %

Selbst versandte Bestellungen, deren Versandbestätigung nach dem erwarteten Versanddatum erfolgt ist, gemessen über 10 und 30 Tage. Grenzwert: 4 %. Abhilfe schaffen fast immer realistische Bearbeitungszeiten in den Versandeinstellungen und eine Versandbestätigung am selben Tag, an dem das Paket das Lager verlässt.

Rate gültiger Sendungsverfolgungsnummern: über 95 %

Anteil der selbst versandten Sendungen mit gültiger Sendungsnummer, über 30 Tage. Amazon erwartet mehr als 95 %, wobei die Regeln je nach Kategorie und Marketplace abweichen können. Ein nicht erkannter Versanddienstleister oder eine falsch eingegebene Nummer genügen, um die Quote zu senken.

Pünktliche Zustellung

Auf einigen Marketplaces zeigt Amazon zusätzlich den Anteil der Bestellungen, die bis zum zugesagten Datum zugestellt wurden, als empfohlenen Zielwert. Das ist nicht immer eine verbindliche Anforderung, aber ein guter Frühindikator für die Laufzeiten Ihres Versanddienstleisters.

Einhaltung der Richtlinien

Dieser Bereich führt am häufigsten zur Sperrung einzelner ASINs oder des gesamten Seller-Kontos. Er umfasst Beschwerden wegen Verletzung geistigen Eigentums, Beschwerden zur Produktechtheit, Produktsicherheit, eingeschränkte Produkte sowie Verstöße gegen die Richtlinien für Listings und Kundenrezensionen.

Amazon fasst diesen Bereich in der Kontozustandsbewertung (Account Health Rating) zusammen: ab 200 gilt der Zustand als gut, von 100 bis 199 als gefährdet, unter 100 als kritisch, mit möglicher Deaktivierung. Es handelt sich um Amazons eigene Bewertung, nicht um eine externe Berechnung: Jeder offene Verstoß senkt sie, jeder behobene oder abgelaufene zählt nicht mehr.

Die manuelle Kontrolle

Die Mindestroutine, einmal pro Woche:

Nähert sich eine Kennzahl dem Grenzwert, beheben Sie die Ursache, bevor daraus eine Sperrung wird. Ist der Grenzwert bereits überschritten, brauchen Sie einen Maßnahmenplan. Den Aufbau beschreibt die Anleitung Maßnahmenplan bei Amazon-Sperrung.

Mit verbundener KI: 3 Prompts zum Kopieren

Ist Ihr Seller-Konto über einen MCP-Connector mit ChatGPT oder Claude verbunden, erledigen Sie dieselbe Routine im Gespräch:

Prüfe den Kontozustand meines Seller-Kontos auf amazon.de: Nenne für jede Kennzahl den aktuellen Wert, Amazons Grenzwert und den verbleibenden Abstand. Markiere alles, was weniger als 30 % vom Grenzwert entfernt ist.
Liste alle offenen Richtlinienverstöße mit ASIN, Art des Verstoßes und Datum auf. Sag mir je Verstoß, ob das Listing noch aktiv ist und was zur Behebung nötig ist.
Gibt es selbst versandte Bestellungen der letzten 7 Tage ohne Versandbestätigung oder ohne gültige Sendungsnummer? Nichts ändern, nur die Liste.

Mit Vendooly liest die KI die Daten zum Kontozustand über offizielle Amazon-Schnittstellen, verknüpft sie mit Listings und Bestellungen und sagt Ihnen, wo Sie anfangen sollten. Vendooly nutzt die Kennzahlen und Grenzwerte von Amazon, so wie Seller Central sie anzeigt. Muss ein Listing korrigiert oder der Bestand eines selbst versandten Produkts angepasst werden, bereitet die KI die Änderung vor, zeigt eine Vorschau vorher → nachher und führt sie erst nach Ihrer Freigabe aus. Die vollständige Vorgehensweise steht in der Anleitung Kontozustand-Audit, einen Überblick bietet die Seite Amazon Kontozustand prüfen.

Was Sie diese Woche tun sollten

Die 14-tägige kostenlose Testphase umfasst den vollständigen Tarif Seller + Ads, und unter 2.000 € Amazon-Umsatz in 30 Tagen bleibt Vendooly kostenlos. Registrieren Sie sich unter vendooly.com/signup.html. Alle Anleitungen finden Sie im Wiki.